Fund des römischen Militärdiploms von Geiselprechting
event Ereignisse
event 1842 1843

Fund des römischen Militärdiploms von Geiselprechting

Beim Abtragen eines Hügels wurde 1842 in Geiselprechting ein römisches Militärdiplom aus dem Jahr 64 n. Chr. entdeckt.

description Description

Hintergrund

Im Jahr 1842 stieß der Geiselprechtinger Bauer Johann Spiegelberger bei Erdarbeiten auf einen außergewöhnlichen Fund. Beim Abtragen eines Hügels hinter seinem Anwesen kam eine bronzene Tafel mit lateinischer Inschrift zum Vorschein. Der Fund erregte rasch die Aufmerksamkeit des Vachendorfer Pfarrers Michael Braunmüller, der als Mitglied des Historischen Vereins für Oberbayern die Bedeutung des Stückes erkannte und weitere Untersuchungen veranlasste.

Das Ereignis

Johann Spiegelberger entdeckte die bronzene Tafel bei der Abtragung eines Hügels hinter den Anwesen „Baumann“ und „Mastern“ in Geiselprechting. Zunächst war die Bedeutung des Fundes unklar. Pfarrer Michael Braunmüller übersandte das Fundstück an seinen gelehrten Freund Heinrich Föringer, Kustos der Hofbibliothek in München. Föringer erkannte, dass es sich um einen Teil eines römischen Militärdiploms handelte, einer sogenannten Tabula Honestae Missionis. Dabei handelt es sich um eine Entlassungsurkunde für römische Auxiliarsoldaten, mit der zugleich das römische Bürgerrecht verliehen wurde. Braunmüller untersuchte daraufhin die Fundstelle persönlich. Dabei stellte er fest, dass der Hügel aus humushaltigem Oberboden über Sand- und Kiesschichten bestand. Im Bereich des Fundortes fand er auffallend geschwärztes Erdreich sowie Holzkohle, Keramikscherben, Ziegelbruchstücke und eine eiserne Doppelspange. Die Funde wurden zur weiteren Begutachtung nach München geschickt. Der Fund wurde bereits am 2. Januar 1843 im Historischen Verein für Oberbayern vorgestellt. Für die Entdeckung erhielt Johann Spiegelberger als Anerkennung einen Geschichtstaler des Historischen Vereins.

Bedeutung und Folgen

Der Fund erwies sich als eines der bedeutendsten römischen Zeugnisse aus dem Raum Vachendorf. Bei dem Objekt handelt es sich um die untere Hälfte eines Militärdiploms aus dem Jahr 64 n. Chr., das dem helvetischen Auxiliarsoldaten Cataus ausgestellt worden war. Das Diplom belegt die Verleihung des römischen Bürgerrechts und liefert wertvolle Einblicke in die Verwaltungspraxis des Römischen Reiches. Die Begleitfunde deuten darauf hin, dass sich im Bereich des Fundortes weitere archäologische Relikte befanden. Das Original gelangte in staatliche Sammlungen nach München. Heute erinnern Abgüsse des Militärdiploms im Gemeindegebiet sowie eine Informationstafel in Geiselprechting an den Fund.

Quellenlage

Die wichtigste zeitgenössische Quelle ist der Fundbericht von Pfarrer Michael Braunmüller in der Pfarrchronik von Vachendorf. Ergänzende Informationen stammen aus der Korrespondenz mit Heinrich Föringer, den Berichten des Historischen Vereins für Oberbayern sowie aus der späteren Zusammenfassung durch Franz Liebl in den Chiemgau Blättern.


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