Maiandacht unter der Linde in Thalham
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Ein fast sommerlicher Abend nach kalten Maitagen
Nach vielen ungewöhnlich kalten Tagen zeigte sich der Mai an diesem Abend endlich von seiner freundlichen Seite. Unter der großen Linde an der Familienkapelle in Thalham versammelten sich zahlreiche Besucher zur traditionellen Maiandacht. Die warme Luft, das frische Grün und die ruhige Abendstimmung verliehen der Feier eine besondere Atmosphäre.Seit inzwischen mehr als drei Jahrzehnten wird die Maiandacht dort gefeiert. Im vergangenen Jahr fand sie bereits zum 33. Mal statt. Dass die kleine Kapelle schon sehr alt sein muss, zeigen historische Karten, auf denen sie bereits vor 1851 eingezeichnet ist. Vermutlich führte früher sogar ein Wallfahrtsweg nach Maria Eck an dieser Stelle vorbei.
Gedanken über Freude und Leid
Durch die Andacht führte Philipp Moser aus Hasperting, der am Studienseminar in Traunstein tätig ist. Seine Worte griffen die besondere Stimmung dieses Tages auf. Während draußen die Natur in voller Blüte stand und erstmals beinahe sommerliche Temperaturen herrschten, hatte viele Menschen gleichzeitig die Nachricht von einem schweren Autobahnunglück bewegt.Moser sprach darüber, dass das Leben immer beide Seiten kenne: Freude und Leid, Leichtigkeit und Sorge. Schwierige Gedanken dürfe man nicht einfach verdrängen. Er verglich dies mit einem Ball, den man unter Wasser drücke – je stärker man ihn wegschiebe, desto heftiger komme er zurück.Gerade deshalb sei Gemeinschaft so wichtig. Aus seiner Arbeit in der Krisenintervention wisse er, wie entscheidend es sei, dass Menschen nach schweren Ereignissen nicht allein bleiben. Besonders auf dem Land könne Zusammenhalt ein großer Schatz sein.
Maria unter dem Kreuz
In den biblischen Texten stand Maria im Mittelpunkt. Aus dem Johannes-Evangelium wurde die Szene unter dem Kreuz Jesu betrachtet. Während sich viele Jünger aus Angst zurückgezogen hätten, sei Maria geblieben und habe das Leid ihres Sohnes ausgehalten.Auch aus der Apostelgeschichte wurde gelesen. Dort wird erzählt, wie die Jünger nach der Zeit der Angst wieder Gemeinschaft fanden. Daraus entstand der Gedanke, dass selbst nach schweren Erfahrungen wieder Hoffnung und neues Leben wachsen können.
Musik, Erinnerungen und ein Stück Dorfgeschichte
Mitgestaltet wurde die Andacht unter anderem von Marlene Lastovka, die Religionspädagogik im Fernstudium in Benediktbeuern studiert und im Rahmen ihrer dualen Ausbildung mit Philipp Moser zusammenarbeitet. Auch die Musik trug zur besonderen Stimmung des Abends bei. Familienmitglieder der Gastgeber wirkten im Chor mit. Nach der Andacht erzählte Hans Schröder aus der Geschichte der Kapelle. Erinnerungen wie der Fischer Sepp auf die fast verfallene Kapelle hingewiesen hat, an die Renovierung im Jahr 1995 sowie an Pfarrer Appel der vor Jahren vorgeschlagen hatte, die Maiandacht bei schlechtem Wetter notfalls in die Garage zu verlegen. Mit viel Humor erzählte der Gastgeber auch von den Buchsbäumen rund um die Kapelle. Einst habe es dort 40 Buchskugeln gegeben, inzwischen seien es noch 39 – eine davon habe den Kampf gegen Schädlinge nicht überstanden, weil man mit dem Dampfstrahler an eine Stelle nicht mehr richtig hingekommen sei.
Ein gemütlicher Ausklang unter freiem Himmel
Nach der Andacht blieben viele Besucher noch an den aufgestellten Bierbänken vor der Garage sitzen. Bei einer kleinen Brotzeit wurde geratscht, gelacht und miteinander gesprochen. Dazu spielte die Musik weiter und begleitete den Abend in entspannter Atmosphäre. So klang die Maiandacht langsam und gemütlich aus – an einem der ersten wirklich warmen Abende dieses Jahres. Unter der Linde im Licht des späten Frühlingsabends wurde spürbar, wie sehr Gemeinschaft, Gespräche und das gemeinsame Zusammensitzen zum Dorfleben dazugehören.
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