Mammutstoßzahnfund in der Kiesgrube Brodeich bei Vachendorf-Erlstätt (1975)
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Hintergrund
Das Gebiet zwischen Vachendorf, Erlstätt und Chieming liegt im Einflussbereich der eiszeitlichen Vergletscherungen des Chiemgaus. Während der letzten Eiszeit formte der Chiemseegletscher das Landschaftsbild. Mit seinem Rückzug entstanden Schotterflächen, Moränen und ehemalige Abflussrinnen, in denen sich über Jahrtausende Sedimente ablagerten. Das Urstromtal Vachendorf–Erlstätt bildete eine wichtige Schmelzwasserrinne des abschmelzenden Chiemseegletschers. In diesen Ablagerungen konnten sich Reste eiszeitlicher Tiere erhalten.
Das Ereignis
Am 3. Juni 1975 wurde im Kieswerk Geisreiter–Inzell in der Kiesgrube Brodeich bei Vachendorf-Erlstätt ein Mammutstoßzahn entdeckt. Der Fund erfolgte in etwa sieben Metern Tiefe innerhalb eiszeitlicher Schotter- und Sandablagerungen. Die Bergung gelang durch die Aufmerksamkeit des Aufsehers Alois Siglreitmaier aus Mühlen sowie des Baggerführers Johann Mitterer aus Reichhausen. Bei der Freilegung war auch der damalige Kreisheimatpfleger Franz Ebert anwesend. Der Stoßzahn konnte lediglich in Bruchstücken geborgen werden. Nach dem Zusammenfügen ergab sich eine Gesamtlänge von etwa 1,6 Metern. Aufgrund der geologischen Schichtenfolge wurde angenommen, dass der Stoßzahn durch Schmelzwasserströme des abschmelzenden Chiemseegletschers verlagert und anschließend von Sedimenten überdeckt worden war. Die Präparation des Fundstücks erfolgte durch H. Mertel von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und historische Geologie in München.
Bedeutung und Folgen
Der Fund zählt zu den bedeutendsten paläontologischen Entdeckungen im südlichen Chiemgau des 20. Jahrhunderts. Für die Heimatforschung stellte er einen seltenen direkten Nachweis eiszeitlicher Großsäuger im Bereich des ehemaligen Chiemseegletschers dar. Der Stoßzahn bestätigte, dass Mammuts während der ausgehenden Eiszeit auch im Gebiet des heutigen Chiemgaus vorkamen. Gleichzeitig lieferte der Fund wichtige Hinweise zur Landschaftsgeschichte des Urstromtals Vachendorf–Erlstätt und zur Entwicklung der Region nach dem Rückzug der Gletscher. Der Fund sollte nach seiner Präparation als Ausstellungsstück im Heimathaus beziehungsweise Heimatmuseum Traunstein präsentiert werden und zur Vermittlung der Eiszeitgeschichte des Chiemgaus beitragen.
Quellenlage
Die Entdeckung wurde zeitnah in den „Chiemgauer Blättern“ dokumentiert. Dort erschienen sowohl ein Bericht über die Bergung des Fundes als auch ein ausführlicher Beitrag zur geologischen Einordnung des Mammutstoßzahns und zur Eiszeitgeschichte des Chiemgaus. Die Artikel nennen Funddatum, Fundort, beteiligte Personen, geologische Rahmenbedingungen sowie den geplanten Verbleib des Fundstücks. Aufgrund dieser zeitnahen Berichterstattung gilt die Quellenlage als gut.