Franz Liebl arbeitet im Klostergut Mitterndorf
description Beschreibung
Arbeit im Klostergut Mitterndorf
Nach der Vertreibung aus dem Sudetenland kommt Franz Liebl in den Chiemgau. Wie viele Heimatvertriebene jener Zeit muss auch er sich unter schwierigen Bedingungen ein neues Leben aufbauen. Zunächst findet er Arbeit im Klostergut Mitterndorf bei Gstadt am Chiemsee. Das ehemalige Gut der Benediktinerinnen von Frauenwörth liegt zwischen Feldern und Wiesen unweit des Chiemsees und wurde damals landwirtschaftlich genutzt. Täglich geht Franz Liebl von Lambach aus zu Fuß zur Arbeit. Gemeinsam mit anderen Heimatvertriebenen und ehemaligen Soldaten verrichtet er schwere körperliche Arbeiten auf den Feldern. Angebaut werden unter anderem Kartoffeln, die in den Hungerjahren nach dem Krieg zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln zählen. Die Arbeitstage sind lang und entbehrungsreich, doch sie sichern das Überleben.
Erinnerung an die Nachkriegszeit
Traudl Liebl schildert in einer Tonbandaufzeichnung aus dem Jahr 2007 eindrücklich die schwierigen Lebensumstände dieser Zeit. Sie erinnert sich an Hunger, Lebensmittelknappheit und die ständige Sorge um ausreichende Nahrung. Besonders bewegend erzählt sie von den kleinen Brotrationen und von den Essensresten, die Franz Liebl manchmal in seinen Jackentaschen mit nach Hause bringt. Selbst kleinste Mengen Nahrung werden damals zu etwas Wertvollem. Die Erinnerungen zeigen, wie hart die ersten Nachkriegsjahre für viele Familien waren. Heimatvertriebene mussten nicht nur ihre verlorene Heimat verarbeiten, sondern gleichzeitig unter einfachsten Bedingungen den Alltag bewältigen und körperlich schwere Arbeit leisten.
Das Klostergut Mitterndorf
Das Gut Mitterndorf gehörte ursprünglich zum Besitz des Klosters Frauenwörth auf der Fraueninsel im Chiemsee. Solche klösterlichen Wirtschaftshöfe prägten über Jahrhunderte die Kulturlandschaft des Chiemgaus. Sie dienten der Versorgung des Klosters mit Lebensmitteln und wurden landwirtschaftlich bewirtschaftet. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das Gut ein wichtiger Arbeitsort. In einer Zeit großer Not fanden dort Menschen Beschäftigung, die durch Krieg und Vertreibung alles verloren hatten. Damit steht das Klostergut Mitterndorf beispielhaft für die schwierige Nachkriegssituation vieler Heimatvertriebener im Chiemgau. Für Franz Liebl bedeutete diese Zeit einen Neubeginn. Aus den Jahren harter körperlicher Arbeit entwickelte sich später sein tiefes Interesse an Geschichte, Erinnerung und Heimatforschung. Seine Erfahrungen der Nachkriegszeit prägten seinen Blick auf die Menschen und die Landschaft des Chiemgaus nachhaltig.