Einbruch in St. Georgskirche
event Ereignisse
event 14.05.1972

Einbruch in St. Georgskirche

Schwerer Verlust für das Georgikircherl

description Beschreibung

Erneuter Einbruch im Jahr 1972

Im November 1972 wurde das abgelegen gelegene St.-Georgs-Kirchlein bei Alferting erneut Ziel eines schweren Kirchendiebstahls. Bereits ein Jahr zuvor war dort eingebrochen worden. Diesmal gingen die Täter jedoch besonders rücksichtslos vor und räumten nahezu den gesamten Figurenbestand des Altares ab. Der Vorfall wurde im Traunsteiner Wochenblatt vom 13./14. November 1972 ausführlich beschrieben.

Der Diebstahl

Nach Angaben der Polizei ereignete sich der Einbruch vermutlich zwischen Mittwochnachmittag und Donnerstagnachmittag. Die Täter verschafften sich gewaltsam Zutritt zur Kirche und brachen die Figuren aus dem Altar heraus. Gestohlen wurden:
  • zwei große Apostelfiguren,
  • zwei Engel,
  • zahlreiche Putten
  • sowie verschiedene Säulenverzierungen.

Der damalige Wert der gestohlenen Kunstwerke wurde auf etwa 25.000 bis 30.000 DM geschätzt.Besonders schmerzlich war der Verlust, weil der Altar zuvor noch vollständig erhalten gewesen war.

Hinweise aus der Bevölkerung

Mehrere Zeugen meldeten verdächtige Beobachtungen. So wurde ein hellfarbener Mercedes mit Düsseldorfer Kennzeichen nahe dem östlichen Fußweg zum Kirchlein gesehen. Außerdem beobachteten Einwohner aus Hasperting und Alferting zwei junge Männer, die in Richtung der Kirche unterwegs waren. Die Kriminalpolizei vermutete, dass es sich um eine organisierte Tätergruppe handelte, die möglicherweise auch in anderen Regionen Bayerns Kirchendiebstähle verübte.

Erinnerung an den früheren Diebstahl

Bereits ein Jahr zuvor war aus dem oberen Teil des Altares eine Muttergottesfigur mit Kind gestohlen worden. Damals konnte die Figur dank Beobachtungen eines Geschwisterpaares aus Wimpasing rasch wieder aufgefunden werden. Auch die Täter wurden gefasst. Ob dies im Fall von 1972 ebenfalls gelingen würde, erschien damals jedoch ungewiss.

"Belobigung durch Landpolizei"

Eine beinahe liebenswerte Randnotiz des Zeitungsberichtes ist die erwähnte „Belobigung“ durch die Landpolizei. Nachdem ein Geschwisterpaar aus Wimpasing im Jahr zuvor wichtige Hinweise zum Diebstahl einer Muttergottesfigur gegeben hatte, wurden die aufmerksamen Beobachter öffentlich anerkannt. Heute wirkt eine solche Formulierung fast altmodisch, sie erzählt jedoch viel über das damalige Leben in den Dörfern. In kleinen Gemeinden achtete man aufeinander, fremde Fahrzeuge fielen sofort auf und Hinweise aus der Bevölkerung spielten bei der Aufklärung solcher Fälle eine wichtige Rolle. Gerade diese kleinen Details verleihen dem Zeitungsbericht bis heute einen besonderen zeitgeschichtlichen Charakter.

Bedeutung für die Ortsgeschichte

Der Vorfall zeigt, wie gefährdet abgelegene Dorfkirchen in jener Zeit waren. Besonders kleine Kirchen mit wertvollen barocken oder gotischen Kunstwerken gerieten immer wieder ins Visier von Kunstdieben. Für die Bevölkerung bedeutete der Diebstahl nicht nur einen materiellen Schaden, sondern auch einen schweren Verlust kultureller und religiöser Identität. Viele der gestohlenen Figuren waren über Generationen hinweg Teil des vertrauten Kirchenbildes gewesen. Die Zeitungsbilder aus dem Jahr 1972 zeigen den Altar vor und nach dem Diebstahl — links noch mit den Figuren, rechts bereits weitgehend ausgeräumt. Dadurch wird das Ausmaß des Verlustes bis heute eindrucksvoll sichtbar.

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