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„Chiemit“ im Chiemgau – Meteoritenrätsel oder Industrieprodukt?

Geologe Gernot Endlicher untersucht den rätselhaften „Chiemit“ und deutet ihn anhand chemischer Analysen als industriellen Koks.

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im Jahr 2024 legte der Geologe und Mineraloge Gernot Endlicher eine ausführliche Untersuchung über den sogenannten „Chiemit“ vor – jenes geheimnisvolle schwarze Material, das im Zusammenhang mit der seit Jahren diskutierten „Chiemgau-Impakt-Theorie“ immer wieder als möglicher Hinweis auf einen Meteoriteneinschlag genannt wurde. In seiner Arbeit unterzog Endlicher verschiedene Proben chemischen und mikroskopischen Analysen und verglich sie direkt mit industriell hergestelltem Koks. Dabei gelangte er zu einem klaren Ergebnis: Das Material weist dieselben chemischen Eigenschaften, dieselbe Mikrostruktur und dieselben typischen Porenbildungen auf wie gewöhnlicher Koks aus industrieller Verkokung. Nach Endlichers Auffassung handelt es sich beim „Chiemit“ daher nicht um ein außergewöhnliches Impaktgestein kosmischen Ursprungs, sondern um ein menschengemachtes Produkt.

Zwischen Meteoritenmythos und Erdgeschichte

Die Arbeit greift damit unmittelbar in eine der spannendsten geologischen Debatten Oberbayerns ein. Seit den frühen 2000er Jahren vertritt das sogenannte Chiemgau Impact Research Team die These, ein Meteorit oder Komet habe vor etwa 2500 Jahren im Chiemgau eingeschlagen und zahlreiche Krater hinterlassen – darunter auch den Tüttensee. Endlicher stellt diese Interpretation jedoch in Frage und verweist auf zahlreiche geologische Befunde, die sich wesentlich besser durch eiszeitliche Prozesse erklären lassen. Besonders die chemische Zusammensetzung des „Chiemits“ passe nicht zu den natürlichen Ablagerungen der Region, wohl aber zu industriellen Rückständen aus früheren Hütten- und Feuerungsanlagen.

Der Blick des Wissenschaftlers

Bemerkenswert an Endlichers Untersuchung ist weniger eine spektakuläre Entdeckung als vielmehr die nüchterne wissenschaftliche Vorgehensweise. Der Autor vergleicht nicht bloß Vermutungen, sondern konkrete Messdaten: Kohlenstoffgehalt, Spurenelemente, Reflexionswerte unter dem Mikroskop und Gefügestrukturen. Gerade darin liegt die Stärke der Arbeit. Sie zeigt exemplarisch, wie moderne Geologie arbeitet – nicht mit Bildern und Legenden allein, sondern mit analytischer Prüfung. So bleibt vom „Chiemit“ am Ende weniger ein kosmisches Rätsel als vielmehr ein interessantes Zeugnis regionaler Industrie- und Nutzungsgeschichte.


Literaturangabe / Citation:
Endlicher, G. (2025). „Chiemit“, Impaktgestein oder Industrieprodukt? Chemische und mikroskopische Untersuchungen an einem fraglichen Impaktmaterial aus dem Chiemgau (Oberbayern). Acta Albertina Ratisbonensia, 70, 18–28.

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