Dorfgeschichten: Bürgermeister Georg Klauser V.
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Dorfgeschichten: Bürgermeister Georg Klauser V.

Ein Blick auf seinen Vater entstanden beim Kaffeeratsch mit Georg Klauser VI.

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Georg Klauser VI. erzählt beim Kaffee vom alten Zenz

Georg Klauser VI. kommt zu uns auf einen Kaffee. Mit am Tisch sitzen auch Bettina und meine Mutter Angelika, die Ortsheimatpflegerin. Der Georg hat Fotos mitgebracht und wir reden zunächst ganz ungezwungen über den Zenzenhof, über Vachendorf und über alte Zeiten. Doch nach und nach beginnt sich aus dem Gespräch eine ganze Dorfgeschichte zu entfalten.Georg erzählt von seinem Vater, Georg Klauser V., den im Dorf viele einfach nur „Jörg“, „Irge“ oder „Irg“ nennen. Während wir zusammensitzen, entsteht Stück für Stück das Bild eines Menschen, der das Dorf über Jahrzehnte massgeblich mitgestaltet hat.

Einer von den alten Dorfmenschen

Der Zenzenhof in Spielwang gehört zu den alten und prägenden Höfen der Gemeinde Vachendorf. Über Generationen hinweg ist er nicht nur landwirtschaftlicher Betrieb, sondern auch ein Ort von Verantwortung, Zusammenhalt und öffentlichem Leben. Mehrfach stellt die Familie Klauser Bürgermeister und Gemeindevorsteher. Der Hofname „Zenz“ scheint dabei oft wichtiger zu sein als der eigentliche Familienname.In diese lange Linie wird Georg Klauser V. am 11. April 1923 hineingeboren. Die Menschen nennen sich damals selten beim offiziellen Namen. Hausnamen und Rufnamen gehören ganz selbstverständlich zum Dorfleben dazu. 1952 übernimmt er den Hof von seinem Vater Georg IV. Klauser. Damals ist der Zenz noch ein großer Vollerwerbshof mit später rund 28 Milchkühen. Landwirtschaft bedeutet harte tägliche Arbeit, sieben Tage die Woche, ohne Urlaub und ohne großes Aufheben darum zu machen. Der Hof bestimmt den Rhythmus des ganzen Lebens. Und trotzdem entsteht beim Erzählen nie das Bild eines harten Patriarchen.

Der Krieg bleibt still im Hintergrund

Wie viele seiner Generation kommt auch Georg Klauser früh in den Krieg. Er ist an der Ostfront in Russland gewesen und kehrt mehrfach verwundet zurück. Fünf Verwundungen soll er gehabt haben. Viel gesprochen habe er darüber später nie. Der Krieg ist halt irgendwie mit ihm heimgekommen. Der Satz gilt für viele seiner Soldatenkameraden glaube ich. Vor dem Krieg sei sein Vater begeisterter Fußballspieler gewesen. Wegen der Verwundungen konnte er später selbst nicht mehr richtig spielen. Trotzdem bleibe ihm die Freude am Sport erhalten. Besonders die Fußballleidenschaft seines Sohnes unterstütze er gern und mit ehrlichem Interesse. Dazu kommen dann gesundheitliche Probleme. Bereits vergleichsweise früh erleidet er einen Herzinfarkt. Dennoch arbeitet er weiter, führt den Hof, geht auf die Jagd und kümmert sich um die Geschicke der Gemeinde.

Ein Bauer mit einer langen Leine

Je länger Georg erzählt, desto deutlicher wird, dass sein Vater zwar Ordnung und Arbeit verlangt, gleichzeitig aber Freiheiten zugelassen hat, die damals auf vielen Höfen nicht selbstverständlich gewesen sind.„Den Samstag Nachmittag hab ich oft frei gehabt“, erzählt Georg. „Andere Bauernkinder haben da noch arbeiten müssen.“ Er sagt das ganz selbstverständlich, dabei aber mit Respekt und Dankbarkeit. Vielleicht gerade deshalb bleibt es hängen.Der alte Zenz scheint jemand gewesen zu sein, der Verantwortung ernst nimmt, ohne aber den Menschen die Luft zu nehmen. Wer ihn gekannt hat, beschreibt ihn eher als ruhigen Menschen. Er muss nicht laut werden, um ernst genommen zu werden. Was er sagt hat Gewicht.

Beim Wirt in der Post

Besonders lebendig wird das Gespräch, als Georg vom Wirtshaus erzählt. Sein Vater geht gern in die Post nach Vachendorf. Dort trifft sich das Dorf. Dort wird geredet, diskutiert und manchmal auch Politik gemacht. „Der hat halt gern Leute zamgebracht“, sagt Georg und lacht, „und eine besondere Freude hatte er immer dann, wenn er jemanden einen Rausch anhängen konnte." Das Wirtshaus ist damals weit mehr als nur ein Gasthaus. Es ist Treffpunkt, Stammtisch, Dorfzentrum und politischer Raum zugleich. Viele Entscheidungen entstehen nicht zuerst im Rathaus, sondern zwischen Bierglas, Stammtisch und langen Gesprächen. Der alte Zenz scheint die Gemeinschaft gemocht zu haben. Menschen zusammenzubringen, gehört offenbar ganz selbstverständlich zu seinem Wesen.

Jagd, Wald und Landschaft

Auch die Jagd kommt immer wieder zur Sprache.Der alte Zenz ist Jagdpächter und eng mit Wald und Landschaft verbunden. Die Jagd gehört für ihn einfach zum Leben dazu — genauso wie der Hof oder die Gemeinde. Georg erzählt von Jagdfreunden, vom Revier und davon, wie diese Leidenschaft später auch an die nächste Generation weitergegeben wird.Man merkt schnell: Die Jagd bedeutet damals nicht bloß Freizeit. Sie gehört zur Lebenswelt des Dorfes.

Bürgermeister aus der Mitte des Dorfes

Von 1966 bis 1979 ist Georg Klauser Bürgermeister von Vachendorf. In seine Amtszeit fallen wichtige Entwicklungen: Straßenbau, neue Baugebiete, das Schwimmbad und das Wachstum der Gemeinde. Gerade während der Gebietsreform wird dies wichtig für die Selbstständigkeit Vachendorfs. Doch während wir am Tisch sitzen, merke ich schnell, dass Georg weniger über große Projekte spricht als über den Umgang seines Vaters mit den Menschen. Besonders diejenigen, die Hilfe brauchen, habe der alte Zenz nie übersehen. Viele hätten ihn deshalb nicht als Politiker wahrgenommen, sondern einfach als einen aus ihrer Mitte.

Friedl aus Langensbach

Auch von seiner Mutter erzählt Georg. Elfriede Klauser, genannt „Friedl“, stammt aus Langensbach. Die Verbindung zwischen Spielwang und dem kleinen Nachbarort gehört damals ganz selbstverständlich zum dörflichen Leben. Friedls Schwester Magdalena hat den „Schlechterbauern" Johann Schröder geheiratet. Ein altes Hochzeitsfoto zeigt nicht nur das Brautpaar, sondern auch die große Verwandtschaft und das Umfeld jener Zeit. Solche Bilder erzählen heute oft mehr als viele Dokumente.

Mitten aus dem Leben

Still wird das Gespräch noch einmal, als Georg vom Tod seines Vaters erzählt. Am 8. April 1979 stirbt Georg Klauser V. während einer Bürgerversammlung — mitten aus dem Leben heraus. „Da hat keiner damit gerechnet“, sagt Georg. Für Familie und Dorf verändert sich damals plötzlich vieles. An eine geregelte Hofübergabe ist zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gedacht gewesen.

Die Linie der Georgs

Zum Schluss noch eine kleine Geschichte, über die wir lachen müssen. Eigentlich soll sein eigener Sohn Thomas heißen, erzählt der Georg, das sei für ihn festgestanden. Doch noch in der Nacht nach der Geburt fühlt sich das plötzlich falsch an. „Irgendwie hab ich mir gedacht: Jetzt muss doch wieder ein Georg draus werden.“ So lebt die Linie der Georgs am Zenzenhof bis heute weiter — inzwischen bereits in der siebten Generation. Und während wir noch beim Kaffee zusammensitzen, wird spürbar, wie viel Dorfgeschichte oft in solchen einfachen Gesprächen verborgen liegt.


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history_edu Autorenschaft & Provenienz

history_edu Autor Nistler, Jochen - Nistler Jochen, Oisologe 21.05.2026

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