Sieben Rippen, sieben Fragen
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Doch was erzählen uns diese Rippen eigentlich?
1. Was ist ein Kreuzrippengewölbe?
Ein Kreuzrippengewölbe ist eine besondere Form mittelalterlicher Gewölbebaukunst. Tragende Steinrippen kreuzen sich über einem Raum und bilden das Gerüst des Gewölbes. Zwischen diesen Rippen liegen leichtere Gewölbeflächen. Die Rippen leiten das Gewicht gezielt auf Pfeiler und Mauern ab. Dadurch konnten Kirchen höher, heller und eleganter gebaut werden als zuvor.Das Kreuzrippengewölbe wurde zur wichtigsten Grundlage der gotischen Architektur.
2. Seit wann gibt es Kreuzrippengewölbe?
Die ersten Kreuzrippengewölbe entstanden gegen Ende des 11. Jahrhunderts in Frankreich und England. Von dort verbreitete sich die neue Bauweise im Laufe des Mittelalters über ganz Europa. Im deutschsprachigen Raum setzte sich diese Technik besonders im 13. und 14. Jahrhundert durch. Im 15. Jahrhundert entwickelten die Baumeister daraus immer kunstvollere Stern- und Netzgewölbe, wie sie auch im Inn-Salzach-Raum häufig vorkommen.
3. Was ist die Burghauser Hütte?
Mit der sogenannten Burghauser Hütte bezeichnet man eine mittelalterliche Bauhütte beziehungsweise einen Werkmeisterkreis rund um Burghausen und die Kirche St. Jakob. Dort arbeiteten Steinmetze, Maurer und Baumeister zusammen. Die Bauhütte war nicht nur Werkstatt, sondern auch Schule des Bauwissens. Hier wurden Kenntnisse über Geometrie, Statik und Steinbearbeitung weitergegeben. Von Burghausen aus verbreitete sich die spätgotische Gewölbekunst entlang der Handels- und Salzwege weit über Bayern und Österreich hinaus.
4. Wie werden solche Gewölbe gebaut?
Der Bau eines Gewölbes gehörte zu den schwierigsten Aufgaben mittelalterlicher Handwerker. Zunächst errichtete man starke Mauern und Pfeiler. Danach bauten Zimmerleute ein hölzernes Lehrgerüst, das die spätere Form des Gewölbes vorgab. Auf diesem Gerüst setzten die Steinmetze die Rippen aus genau behauenen Werksteinen zusammen. Erst wenn sich alle Rippen oben trafen, wurde der Schlussstein eingesetzt. Er verband die Konstruktion zu einer tragenden Einheit. Danach füllte man die Zwischenräume mit leichteren Steinen aus. Sobald der Mörtel getrocknet war, konnte das Holzgerüst entfernt werden. Erstaunlich ist dabei: Die mittelalterlichen Baumeister arbeiteten ohne moderne Statik. Ihre wichtigsten Werkzeuge waren Zirkel, Schnur, Maßstab und Erfahrung.
5. Warum laufen in St. Georg sieben Rippen auf einen Schlussstein zu?
Die sieben Rippen dienen zunächst der Stabilität des Gewölbes. Gleichzeitig zeigen sie die hohe Kunstfertigkeit der spätgotischen Bauleute. Der Schlussstein bildet den Mittelpunkt des Gewölbes. Dort treffen sich alle Kräfte und Linien der Konstruktion. Die Zahl sieben besaß im Mittelalter außerdem eine besondere Bedeutung. Sie galt als heilige und vollkommene Zahl und erinnert unter anderem an:
- die sieben Sakramente,
- die sieben Tage der Schöpfung
- oder die sieben Gaben des Heiligen Geistes.
So verbinden sich im Gewölbe von St. Georg Technik und Symbolik auf eindrucksvolle Weise.
6. Welche Geometrie steckt hinter dem Gewölbe?
Die gotischen Baumeister arbeiteten mit erstaunlicher geometrischer Präzision. Grundlage vieler Gewölbe waren einfache Formen wie Quadrat und Dreieck. Mit Zirkel und Schnur entwickelten die Werkmeister daraus die Linien der Rippen. Jede Rippe folgte einer genauen Ordnung, damit sich die Kräfte gleichmäßig im Bauwerk verteilten. Das Gewölbe von St. Georg zeigt diese Ordnung besonders deutlich. Die Rippen wirken fast wie ein steinerner Stern, der sich um den Schlussstein entfaltet. Für die Menschen des Mittelalters war Geometrie jedoch mehr als Technik. Sie galt zugleich als Ausdruck göttlicher Ordnung.
7. Warum faszinieren uns solche Gewölbe bis heute?
Gotische Gewölbe beeindrucken noch heute, weil sie weit mehr sind als reine Baukonstruktionen. Die mittelalterlichen Baumeister schufen aus schwerem Stein Räume, die erstaunlich leicht und beinahe schwebend wirken. Die Rippen ziehen den Blick nach oben und verleihen dem Kirchenraum eine besondere Ruhe und Feierlichkeit.Bis heute verbinden diese Gewölbe:
- Handwerk,
- Kunst,
- Mathematik
- und Glauben
zu einem einzigen Bauwerk. Das Kreuzrippengewölbe von St. Georg am Berg ist deshalb nicht nur eine alte Kirchendecke. Es ist ein steinernes Zeugnis mittelalterlicher Baukunst — geschaffen von Menschen, die mit einfachen Werkzeugen und großem Können etwas bauten, das Jahrhunderte überdauerte.